Live: Clam Rock 2026 (Alice Cooper; Foreigner; Manfred Mann’s Earth Band; Colosseum; The Troggs; Clearwater Creedence Revival) – 03.07.2026 – Burg Clam / Österreich


Genau 10 Jahre ist es her, als wir das erste Mal auf dem Clam Rock Festival an der Burg Clam waren. (Harvest of Art Festival) Die Burg Clam liegt circa 45 Kilometer östlich von Linz in Österreich. Bereits 2016 haben uns der familiäre Charakter der Location und Organisation gefallen. Hier macht die örtliche Feuerwehr noch den Parkplatz. Das Gelände ist sehr sauber, die Security unauffällig und sehr nett, obwohl die großen Festival-Events an der Burg mit circa 10.000 Besuchern fast immer ausverkauft sind.

Von uns aus sind es einfach um die 280 Kilometer. Unser Hotel wählen wir immer in Linz, die paar Kilometer Anreise sind einfach zu fahren. Wie meistens hieß es auch dieses Jahr wieder: Ausverkauft – Sold Out!

Bei Ankunft wurden wir wieder von der Feuerwehr auf den umliegenden Wiesen zum Parken eingewiesen. Der Fußweg zum Festivalgelände ist dann lediglich noch um die 500 Meter. Nach dem Eingang kamen erstmal die Food-Area und der Merchandise Stand. Alles wie immer sehr gut organisiert und sauber. Das Gelände war bereits zu etwa 80% gefüllt, aber trotzdem war alles entspannt. Hier könnten sich deutsche Veranstalter eine gehörige Scheibe abschneiden.

Die erste Band, Clearwater Creedence Revival, eine englische CCR Coverband haben wir wegen der Anreise leider nicht geschafft. Schade, denn diese Musiker stehen selber schon seit den 60s auf den Bühnen dieser Welt. The Animals, Bernie Marsden, Back Street Crawler, FM, Denny Laine Band sind jetzt nicht unbedingt die schlechtesten Stationen im Leben eines Musikers.

Was wir beim Ticketkauf noch nicht wussten ist, dass es eine zusätzliche Band ins Line-Up geschafft hat. The Troggs … eine englische Garage-Rock Bands aus dem Andover. Mit ihren Hits hielten sie in den 60ern die Spitzenpositionen der Hitlisten fest im Griff. „Wild Thing“, „With a Girl like you“, „I can’t control myself“, „Love is all around“ … wer kennt diese Granaten denn nicht? Meine absolute Lieblingsnummer der Troggs, „Night of the long Grass“ gab es seinerzeit nur auf Single und war auf keinem Album zu finden. Das Glück war mir hold, denn bei Ankunft spielten die Troggs eben diesen Song. Von den originalen Mitgliedern ist heute keiner mehr dabei. Lediglich Mitgründer Chris Britton wird noch als offizielles Mitglied gelistet, kann aber aufgrund seiner fortschreitenden Krankheit so gut wie nicht mehr auftreten. Die Troggs kamen beim Publikum sehr gut an, die Leute sangen die alten Gassenhauer laut mit. Die Troggs freuten mich persönlich sehr, das es eine der 60er Band war, die ich immer schon mal live sehen wollte.

Als dritte Band kamen jetzt die Jazz-Rocker von Colosseum auf die Bühne. Wir kennen Gitarrist Clem Clempson und Sänger Chris Farlowe persönlich, hatten sie bei vielen Konzerten der Hamburg Blues Band kennen und schätzen gelernt. Darum freuten wir uns auf das Wiedersehen, hatte ich Colosseum doch schon einige Male live gesehen, und damals auch Mark Clarke kennen gelernt. Clempson, Farlowe und Clarke sind die drei noch verbliebenen Mitglieder der legendären 1971er Besetzung. Jon Hiseman und Dick Heckstall-Smith haben diese Welt schon länger verlassen, Organist Dave Greenslade erst vor zwei Wochen. Clempson an der Gitarre ist eh eine Wucht, Mark Clarkes Bassspiel mit den vielen Läufen steht für sich, und Sänger Chris FarloweFarlowe leidet an Morbus Bechterew, einer Form von verkrümmter und zusammengesackter Wirbelsäule, außerdem hatte er vor ein paar Jahren massive Herz- und Kreislaufprobleme und sollte sich ein wenig schonen. Das hält ihn allerdings nicht ab, weiterhin durch die Welt zu touren und live auf der Bühne zu stehen. Optisch wirkt er leider ziemlich angeschlagen, aber der Mann wird dieses Jahr satte 86 Jahre alt. Wenn Farlowe singt, dann hat er keinen Mucks von seiner stimmlichen Strahlkraft verloren, er singt als ob er grad mal 40 wäre. Die „Valentyne Suite“, „Lost Angeles“ und das unvermeidliche „Theme from an imaginary Western“ aus der Feder von Jack Bruce und Pete Brown standen mit auf der Setlist. Obwohl Colosseum jetzt nicht unbedingt Musik für die Massen zelebrieren, wurden sie für ihre 70 Minuten Spielzeit richtig abgefeiert.

Als nächste Band stand eine Legende auf der Bühne. Der Südafrikaner Manfred Lubowitz, besser bekannt als Manfred Mann steht seit 1962 mit eigenen Formationen auf der Bühne. Seine Earth Band existiert bereits seit 1971. Neben Mann steht ein Mitgründer. Gitarrist und erster Sänger Mick Rogers ist mit Ausnahme einer kleinen Pause seit Anfang an dabei. Am Mikrophon steht seit 2011 der Sänger und Gitarrist Robert Hart. Manfred Mann’s Earth Band begannen ihr Set mit „Don’t kill it Carol“ vom 79er Album Angel Station. Ich hatte die Earth Band bereits einige Male live gesehen, und man kann Licht und Schatten mit ihnen live erleben. Anscheinend standen sie heute eher im Schatten, denn es sprang selten der Funke aufs Publikum über. Offensichtlich hat der Mann am Mischpult die Band auch teilweise zu leise gemixt. Große Hits wie „Blinded by the Light“, „Davy’s on the Road again“, oder das geniale „Father of Day, Father of Night“ von 1973 sorgten bei den Leuten für relativ wenig und ruhige Stimmung. Erst beim letzten Song, dem sehr in die Länge gezogenen Bob Dylan Cover „Mighty Quinn“ kam das Publikum mehr in Fahrt. Die Band an sich war gut, und Drummer John Lingwood, ebenfalls schon seit 1979 dabei, ist eh eine Bank. Das war er auch schon bei Steamhammer, Stomu Yamashta oder Roger Chapman. Robert Hart, der mir meistens zu sehr der Poser ist, brachte die Leute wenigstens zum Schluss zum Mitsingen. Ein Robert Hart passt meines Erachtens besser in eine amerikanische Hardrockband als zu Manfred Mann und seiner Earth Band. Der frühere Sänger Chris Tompson brachte seinerzeit viel mehr Charisma rüber. Leider war der Auftritt der Earth Band nur gebremster Schaum.

Als vorletzte Band sollte die 80er Jahre Legende Foreigner spielen. Ich hab ja schon viele der alten 70er und 80er Jahre Bands live gesehen … Foreigner aber noch nie. Große Erwartungen hatte ich keine, aber gespannt war ich, da ja kein einziges Originalmitglied mehr dabei war. Am längsten dabei ist Bassist Jeff Pilson, der seit 2004 die dicken Saiten zum Donnern bringt. Pilsons Gesicht wird so manchem bekannt vorkommen. Jeff war Mitglied bei Dokken und Dio, und spielte außerdem an der Seite von Mark Wahlberg und Jennifer Aniston den Bassisten der Band Steel Dragon im Hollywood Blockbuster Rock Star. Der Jungspund in der Band ist Sänger Luis Maldonado, ein gebürtiger Mexikaner und beheimatet in Tucson Arizona. Wie also würden sie sich schlagen?
Drummer Chris Frazier und Keyboarder Michael Bluestein enterten die Bühne und wurden mit stürmischem Beifall empfangen. Letztes verbliebenes Originalmitglied und Mitgründer Mick Jones zählt zwar offiziell noch als Mitglied von Foreigner, kann aber aufgrund Krankheit nicht mehr auftreten. Jones hat Parkinson und Alzheimer im Endstadium. Neben Bruce Watson, der seit 2011 den Gitarrenposten inne hat, spielt John Roth als Jones‘ Ersatz. Die drei Saitenschwinger kamen mit Sänger Maldonado auf die Bühne und sofort legten sie los. „Double Vision“ und „Head Games“ brachten die Menge sofort von Null auf Hundert. Musikalisch klang das perfekt und Sänger Maldonado war ein perfekter Ersatz für die früheren Sänger Lou Gramm und Kelly Hansen. Man hörte absolut keinen Unterschied zu den großen Zeiten. Bassist Pilson durfte sich bei der nächsten Nummer hinsetzen, und zwar hinter ein Piano direkt vorn am Bühnenrand. Die weltbekannten Pianoakkorde von „Cold as Ice“ erklangen und alles sang begeistert mit. Roth übernahm hier den Bass von Pilson. „That was Yesterday“ oder „Blue Morning, blue Day“, Foreigner lieferten eine Rakete nach der anderen ab. Maldonado hatte das Publikum vollends im Griff, die Leute fraßen ihm aus der Hand. Nach einer Ansage bezüglich der aktuellen Weltkrisen spielten sie eine ruhige, eindringliche Version von „Bridge over troubled Water“ aus der Feder von Simon and Garfunkel. Mit „Urgent“ läuteten sie die heiße Phase ihres circa 90 minütigen Sets ein. Ein kombiniertes Solo aus Keyboards und Schlagzeug wechselte übergangslos zum Intro von „Juke Box Hero“ über, welches das reguläre Set beendete. Foreigner kamen aber schon nach wenigen Minuten zurück auf die Stage und feuerten „Long, long Way from Home“ aus den Boxen. Jetzt wurde es ruhig und der unvermeidliche Schmachtfetzen „I wanna know what Love ist“ musste herhalten. Selig sangen alle mit und schunkelten im Takt. Zu guter Letzt kam aber noch ein wahrer Rock-Kracher zum Zuge. Mit „Hot Blooded“ beendeten Foreigner ihr Hit-Feuerwerk und wurden zurecht frenetisch gefeiert.

Es wurde langsam dunkel und die Zeit für den Headliner des diesjährigen Clam Rock Festivals brach an. Kein geringerer als der Meister des Schock-Rocks persönlich sollte es sein. Alice Cooper enterte die Stage und die Party ging los. „Hello Hooray“, „Who do you think we are“, „No more, Mr.Nice Guy“, „House of Fire“ … Drei Gitarrenschwinger plus Bass lieferten ein fettes Brett an Hits ab. Gitarrist Ryan Roxie spielt schon seit 30 Jahren für Alice und ist eine Bank, Chuck Garric zupft seit 2002 den Bass. Beide also ein eingespieltes Team, auf das sich der Meister verlassen kann. 2011 kamen Gitarrist Tommy Henriksen und Drummer Glen Sobel zur Band. Beide spielen außerdem noch mit Cooper in dessen Spaßprojekt, den Hollywood Vampires, an der Seite von Johnny Depp. Optischer und akustischer Leckerbissen ist seit einigen Jahren die dritte Gitarristin in der Band … Nita Strauss. Da sich Strauss derzeit aber um ihr neugeborenes Baby kümmern muss, ist als Ersatz die erst 22 jährige Anna Cara an den sechs Saiten dabei. Und die kann definitiv mit Nita mithalten, optisch und auch musikalisch. „Billion Dollar Babies“, „Feed my Frankenstein“ … ein Hit nach dem anderen kam aus den Boxen.
Leider sprang der Funke aber nicht so recht auf das Publikum über. Große Jubelstürme waren bei den Hits nicht zu hören und auch nicht zu sehen. Irgendwie war das Set fast ein wenig lieblos hingerotzt. Alice Cooper machte wie üblich gar keine Ansagen zwischen den Songs, er wirkte fast unpersönlich. Na ja, so eine Show ist ja schließlich auch nur ein Job. Es wirkte alles fast zu glatt. Da wir beide den Schock-Rocker schon mehrmals live gesehen hatten, beschlossen wir nach gut der Hälfte der Show, dass es Zeit für den Rückweg war. Wir hatten ja noch 45 Kilometer bis zum Hotel, und wenn nach Ende des Konzerts um die 10.000 Leute gleichzeitig über eine einzige Zufahrtsstraße abfahren wollen, ist das Chaos vorprogrammiert.

Eines ist uns auf diesem fast perfekt organisiertem Festival aber negativ aufgefallen. Die Food-Area war ordentlich und übersichtlich aufgebaut. An fast jeder Ecke waren Essens- und Getränkestände zu finden und fast nirgends standen die Leute Schlange. Negativ war, dass es nirgends Cola oder Spezi zu kaufen gab, dafür aber haufenweise Dosenrotz mit allerlei Mischgetränken. Cola gabs, aber nur mit Red Bull. Außerdem, und das ist mein größter Kritikpunk, waren die Essenspreise dermaßen überzogen, dass einem schlecht werden konnte. Ein paar normale Zwiebelringe für 8,50€. Indische Hauptspeisen in einer kleinen Bowl zwischen 16,50€ und 24,50€, Knödel gingen ab 9,50€ los, Mozzarella Sticks oder Fish & Chips lagen bei 13,50€ !!! Ist das euer Ernst ??? Bei den Preisen wundert es mich nicht, dass nirgends viele Leute anstanden. Solche dermaßen überzogene Preise hab ich selten auf einem Konzert oder Festival gesehen.

Dies soll aber mein einziger Kritikpunkt am Festival selbst gewesen sein. Alles andere passte wie immer. Die Location direkt unter der Burg Clam ist schlichtweg sensationell. Wenn zig tausende den Burgberg belagern und runter auf die Bühne schauen, ist das ein grandioses Bild. Ferner wie bereits erwähnt sind Orga und Security präsent, unaufdringlich und freundlich. Das Publikum ist ebenfalls sehr entspannt. Die großen Veranstaltungen auf der Burg Clam sind einfach eine Reise wert und machen mächtig Spaß.
Musikalisch muss ich sagen, dass ich äußerst überrascht von Foreigner war. Ich hätte nie gedacht, dass eine Band ohne ihre alten Mitglieder so dermaßen gut abrocken kann wie Foreigner. Großes Kino, ihr habt alle in Grund und Boden gespielt. Manfred Mann’s Earth Band dagegen war wie lauwarm aufgewärmt.

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