„Sie klingelten unangemeldet an einem kalten Freitagabend. Die Fremden vor Eve Palmers Haustür machten eigentlich einen harmlosen Eindruck. Doch die junge Frau war wie immer vorsichtig, spähte durch die Jalousien und überlegte, ob sie die Tür öffnen sollte …“ (Quelle: Klappentext)
Was würdest Du tun, wenn Du endlich in das neue Haus einziehen kannst, von dem Du immer geträumt hast? Ein Eigenheim, das noch richtig eingerichtet werden muss, noch den letzten Schliff braucht, um Dir Erinnerungen zu spenden. Aber bereits jetzt fühlt ihr euch ganz wohl hier. Bis es klingelt. Und da steht eine fremde Familie, die vorgibt, einmal in diesem Haus gewohnt zu haben. Zugegeben, so begeistert ist Eve dann doch nicht von dem alten abgelegenen Haus, aber ihrer Lebensgefährtin Charlie gefällt es. Während diese unterwegs ist, klingelt es und Eve möchte die Familie abweisen. Aber was ist schon ein kurzer Besuch? Wenn in dem Haus so viele liebevolle Erinnerungen stecken, da kann man doch den Zutritt nicht verwehren, oder? Als Eve sich entschließt, die Familie reinzulassen, ahnt sie nicht, dass sie nie wieder gehen wird. Erst verschwindet die Tochter, die sich liebend gern versteckt, dann spielt das Wetter nicht so mit und am Ende ist es Charlie, die Eve einredet, dass diese nur Gespenster sieht. Man weiß, dass das passiert, das ist kein Spoiler – und ein bisschen ist es so typisch, das passiert in allen Geschichten, die so sind. Aber Kliewer schafft es dann doch, das alles ein bisschen anders ist. Kleine Hinweise, die man als liebevolle Charakterzeichnungen überliest, werden irgendwann bedeutend. Und so, wie die Anspannung bei Eve wächst, wird auch der Leser unruhig und spürt diese Bedrohung, die man gar nicht recht greifen kann.
Was die Geschichte von anderen ähnlichen Plots unterscheidet, sind die überraschenden Wendungen. Kliewer spielt mit Hoffnung – von Eve und von den Lesern, die diese Beklemmung endlich hinter sich lassen wollen. Eine Auflösung? Oha ja, die gibt es, aber die ist ganz anders, als man im Laufe des Buches vermuten mag.
Der Roman wurde mit Blake Lively verfilmt – was die Lektüre aber nicht überflüssig macht.
4/5
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Marcus Kliewer – Die Besucher: Wenn du sie hereinlässt, werden sie nie wieder gehen
Goldmann Verlag, 2026
400 Seiten
