„Eine perfekte Familie. Eine Fremde am Esstisch. Ein Abendessen, das tödlich endet. Vier Menschen sind an diesem Abend zum Essen verabredet. Einer von ihnen wird den Tisch nicht wieder verlassen.
Matthew: der liebevolle Ehemann.
Titus: der perfekte Sohn.
Charlie: der erfolgreiche Social Media Star.
Rachel: die geheimnisvolle Fremde.
Charlie wollte Rachel nicht in ihrem Leben haben. Matthew vertraut einer Unbekannten und lässt sie in ihr Zuhause. Noch bevor das Abendessen vorbei ist, findet sich Charlie neben der Leiche seines Mannes wieder, während Titus unter Schock am Tisch sitzt und Rachel den Notruf wählt. Das blutige Messer hält sie noch in der Hand. Alles ist so offensichtlich. Doch was ist an diesem Abend wirklich passiert?“ (Quelle: Amazon)
Wem die Geschichte bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich Die Fremde in unserem Haus gelesen. Der Dinnergast ist die überarbeitete Neuauflage des spannenden Thrillers.
B. P. Walter setzt hier auf einen erzählerischen Kniff, der für einen Thriller ausgesprochen gut funktioniert: Die Geschichte beginnt mit dem Mord. Wir wissen also von Anfang an, dass etwas Schreckliches passiert ist. Die eigentliche Spannung entsteht dadurch, dass wir herausfinden wollen, warum es passiert ist – und vor allem, wer tatsächlich für Matthews Tod verantwortlich ist. Im Mittelpunkt steht eine Familie bestehend aus zwei Vätern und dem Jugendlichen Titus. Irgendwo zwischen harmonischem Familienleben, Eifersucht, beruflichem Erfolg, Pubertät und einem langweiligen Leseclub liegt etwas verborgen. Nur weiß man lange nicht, was es eigentlich ist. Etwas schwelt in der Familie und Rachel, die bald Gast in der Familie ist, bringt noch mehr Chaos. Oder sorgt gerade sie dafür, dass die Familie wieder näher zusammenrückt?
Der Thriller legt großes Augenmerk auf soziale Unterschiede und Vorurteile. Rachel entspricht nicht dem normalen Umgang des Paares, stammt nicht aus privilegierten Verhältnissen oder hat Millionen auf dem Konto. Sie lebt in einer Absteige, keine gute Gegend und auch ihre Kleidung ist fragwürdig. Doch bald nimmt man sich ihrer an, weil Rachel einfach sympathisch ist und irgendwie dann doch passt.
Der geneigte Thrillerfan wird hier bald seine eigenen Schlüsse ziehen und der Mörder scheint schnell entlarvt. Aber so hastig geht es dann doch nicht, denn das Motiv des Mordes will auch noch gefunden werden. Welches Motiv hatte Rachel?
Interessant ist die Erzählweise, denn Walter lässt in jedem Kapitel einen anderen seine Sicht der Situation erzählen. So bekommt man einen Einblick in Gedanken und Gefühle der Figuren und versteht manches Handeln besser. Irgendwo zwischen verletzten Gefühlen, Intrigen und Lügen liegt die Wahrheit.
Das Hörbuch macht es deutlich: Anja Kalischke-Bäuerle und Urs Remond teilen sich auf. Wer gerade dran ist und erzählt, wird also schon durch den Wechsel des Vorlesenden deutlich. Dadurch bleibt man als Hörer dran und muss nicht immer darauf achten: Wer ist gerade dran und berichtet?
Der Dinnergast ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite oder eben Minute. Man fiebert mit, fragt nach Hintergründen, ist überrascht, welche Wendungen und Geheimnisse zutage kommen. So viel sei aber verraten: Manchmal gibt es nicht nur schwarz und weiß, richtig oder falsch, manchmal ist Schuld nicht einfach zuzuweisen.
4/5
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B.P. Walter – Der Dinnergast
dp audiobooks, 2026
Dauer: 12:16h
Seiten: 421
