Fünf ehemalige Schulfreunde, ein abgelegenes Sanatorium im Schwarzwald und ein Escape-Room der ganz besonderen Art – die Ausgangssituation von Stefan Zehs Ohne Ausweg verspricht bereits einiges. Was zunächst nach einem außergewöhnlichen Wochenende und einem spannenden Spiel um 10.000 Euro Preisgeld klingt, entwickelt sich jedoch schnell zu einem beklemmenden Albtraum.
Besonders gelungen ist die Grundidee: Die Grenzen zwischen Spiel und Realität verschwimmen zunehmend. Die Rätsel sind nicht einfach nur knifflige Aufgaben, die man lösen muss, um aus einem Raum zu entkommen. Die Fallen sind real und die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen werden immer bedrohlicher. Dadurch entsteht eine permanente Anspannung, denn als Hörer fragt man sich unweigerlich: Was kommt als Nächstes?
Stefan Zeh versteht es, eine zunehmend düstere und klaustrophobische Atmosphäre aufzubauen. Das alte Sanatorium bildet dafür die perfekte Kulisse. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto größer werden Angst und Misstrauen innerhalb der Gruppe. Schließlich weiß niemand mehr, wem man eigentlich noch vertrauen kann.
Besonders interessant ist dabei der persönlicher Aspekt der Geschichte. Der Spielleiter scheint die Teilnehmer nicht zufällig ausgewählt zu haben. Er kennt ihre Ängste und Schwächen – und bei einer Person geht es offensichtlich um weit mehr als um ein harmloses Escape-Game. Genau diese persönliche Ebene macht die Situation besonders unheimlich.
Die Geschichte lebt dabei weniger von blutigen Effekten als von der psychologischen Spannung und der Frage, wie weit Menschen gehen, wenn sie um ihr Leben fürchten müssen. Die zunehmende Verzweiflung der Figuren ist stellenweise ausgesprochen beklemmend.
Auch als Hörbuch funktioniert Ohne Ausweg sehr gut. Gerade bei einem Thriller, der sich stark über Atmosphäre, Anspannung und die zunehmend bedrohliche Situation definiert, kann das Hörerlebnis die Wirkung der Geschichte noch verstärken. Man ist mitten im Geschehen und möchte wissen, wie die nächste Prüfung ausgeht – und ob die Gruppe tatsächlich einen Ausweg findet.
Ein kleiner Wermutstropfen ist für mich, dass manche Entwicklungen und Entscheidungen der Figuren etwas vorhersehbar wirken. Trotzdem schafft es die Geschichte, die Spannung über weite Strecken aufrechtzuerhalten. Vor allem die Frage nach den Motiven des Spielleiters sorgt dafür, dass man weiterhören möchte.
Ein großer Minuspunkt ist die Darstellung der gelangweilten, tatenlosen und völlig dummen Polizei. Diese ist so weit weg von jeglicher Realität, dass sie der Geschichte viel nimmt. Unter den Umständen würde die Polizei nicht so lethargisch sein und eine Suche verweigern. Damit sich nicht alles zu schnell auflöst, hätte man diesen Teil der Story etwas anders auf- und ausbauen können.
Dennoch ist Ohne Ausweg ein beklemmender Escape-Thriller mit einer starken Ausgangsidee, düsterer Atmosphäre und einigen wirklich nervenaufreibenden Momenten. Wer sich gerne fragt, was passieren würde, wenn aus einem Escape-Room plötzlich bitterer Ernst wird, dürfte einige spannende Hörstunden erleben. Wem das alles bekannt vorkommt: Es handelt sich hier um die Neuauflage von Kein Entkommen.
3/5
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Stefan Zeh – Ohne Ausweg
dp Verlag, 2026
Taschenbuch: 292 Seiten
Hörbuch: 5:32 h
