Buch: Bea Rauenthal – Fronleichnamsmord


Jo ist erleichtert. Ihre dritte Zeitreise führt sie »nur« ins Jahr 1974 und auf eine Polizeistation. Doch ihre Kollegen entpuppen sich als Machos, und die Polizeimethoden sind ziemlich gestrig. Lutz dagegen ist überglücklich. Er lebt in einer Hippie-Kommune, trägt Batik-Shirts, kifft, und es ist Fußball-WM. Der Fall, den Jo und Lutz lösen müssen, führt sie mitten in die Kämpfe zwischen linken Revoluzzern und reaktionären Sturköpfen. Aber sie erleben das WM-Finale live mit, und dass gewisse Substanzen einen echt locker machen können, kommt ihnen ebenfalls zugute … (Quelle: Amazon) Mit dem dritten Zeitreisekrimi von Bea Rauenthal treibt es die Autorin auf die Spitze. Führten die zwei ersten Romane um das Ermittlerduo Jo Weber und Lutz Jäger die beiden zuerst ins tiefste Mittelalter (Dreikönigsmord), und in die Kaiserzeit Ende des 19. Jahrhunderts (Karfreitagsmord), so verschlägt es die Kommissare diesmal ins Jahr 1974. Ist Lutz erst sauer, weil er als Fußballfan die WM 2014 versäumt, so hat er die Gelegenheit, die Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Land hautnah zu erleben. Allerdings ist er in seinem ’74er Leben kein Polizist, sondern lebt in den Tag hinein. Hippietum kontra spießbürgerlichem Leben. Jo ist eine der ersten Frauen bei der Kriminalpolizei, die Geschlechterrollen in den öffentlichen Ämtern sind zu der Zeit noch sehr maskulin ausgeprägt. So ganz nebenbei lernt Jo ihre eigenen Eltern als junge Leute kennen. Rauenthal steigert sich anscheinend von Buch zu Buch. Man fühlt sich mittendrin im leichten Leben zwischen Drogenkonsum als Normalzustand, VW Käfern, 2CV Enten als Alltagsautos und dem Fieber der WM daheim im eigenen Land. Den älteren Lesern wird das eine oder andere noch sehr bekannt vorkommen, während die jüngeren Semester vielleicht erahnen können, wie ihre Eltern damals drauf waren. Man kommt sehr oft aus dem Grinsen nicht mehr raus. Zu real wirkt die ganze Szenerie während des Lesens. Sicherlich mag spannungstechnisch eine Zeitreise ins Mittelalter reißerischer klingen als „nur“ 40 Jahre zurück, aber die Leichtigkeit der Siebziger macht das eindeutig wett. So mancher wird beim Lesen der Geschichte den Geschmack eines Joints auf der Zunge haben, den er vielleicht selber mal konsumiert hat, so mancher wird sich an das steife Gebaren der Polizei zurückerinnern, wenn eine Fahrzeugkontrolle stattgefunden hat … nur weil man als Langhaariger sowieso als drogensüchtiges, gesellschaftskritisches und subversives Element galt. Mit einem Grinsen im Gesicht bekommt man das Fußballfieber der Nation mit, wenn die einzelnen Partien der deutschen Nationalmannschaft in Radio und Fernsehen in die Story einfließen. Einen weiteren Pluspunkt bekommt die Autorin von mir wegen des Erwähnens der damaligen Musik, die aus den Tausenden Radios in Deutschland dudelten … Terry Jacks, Thin Lizzy, The Who und Konsorten … kleine Anekdoten im Gesamten, die die Geschichte um die Kriminalfälle zu einem wunderbaren Einblick in unsere jüngere Geschichte abrunden. Das alles wie jedes Mal von Rauenthal  in ihrem sehr flüssig zu lesenden, klaren Schreibstil geschrieben, der einem das Buch in einem Rutsch durchlesen lässt, bringt eine Erwartungshaltung mit sich, was die Autorin wohl als nächsten Wurf der Serie plant. Wo mag es die beiden als nächstes hin verschlagen ? Ins dritte Reich ? … In die Zeit der Amerika-Auswanderer ? … Geht es überhaupt weiter oder war das der spannende Schlusspunkt einer Trilogie? Man kann es nur hoffen, dass Bea Rauenthal noch viele der heiteren aber spannenden Geschichten um das Duo Weber/Jäger einfallen. 5/5 ___ Bea Rauenthal – Fronleichnamsmord List Verlag, 2014 352 Seiten Taschenbuch: 9;99 € Kindle: 8,99 € Amazon

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