Dark Munich Festival – Tag 3 – 02.05.2015


Tag drei des Dark Munich Festivals beginnt in der ziemlich leeren Theaterfabrik. Die Italiener Spiral69 stehen auf der Bühne. Das Trio siedelt sich selbst im Bereich New Wave an und soll heute die Stimmung anheizen. Die will jedoch nicht so recht aufkommen. Mir erscheinen sie zu langweilig und eintönig. Zwar gibt Sänger Riccardo alles und nimmt gerne die große Bühne für sich ein, aber das macht die Musik auch nicht aufregender. Ein bisschen mehr Power und Abwechslung würden meiner Meinung nach nicht schaden. Trotzdem füllt sich die Halle langsam.

Tag drei des DMF, das Wetter hat sich etwas gebessert … es regnet zur Abwechslung mal nicht, und trotzdem füllt sich das Gelände der Optimolwerke nur zäh mit Besuchern. In der Theaterfabrik geht’s los mit Spiral69, einem Trio aus Italien. Mit einem Sound aus rockigem New Wave machen sie von Anfang an mächtig Dampf. Leider sind nicht gerade viele Zuschauer in der leeren Halle, aber trotzdem geben die Italiener alles. Ganz nett für einen Tageseinheizer, aber der Initialfunke fehlt etwas.

Von JanRevolution, Ersatz für Versus, die krankheitsbedingt absagen mussten, bekomme ich gar nichts mit. Den Weg in die Garage spare ich mir, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass meine Neugierde einfach nicht groß genug ist. Im Vorfeld konnte man auf YouTube nichts über die Band finden (mittlerweile kenne ich den YouTube-Kanal) und auch sonst waren die Stimmen über die Band eher verhalten. Nächstes Mal vielleicht.

Die abwesenden Versus werden vertreten von JanRevolution, einem Duo aus dem bayerischen Kronach. Vorher mir gänzlich unbekannt, machen die beiden Jungs, Sänger JanRevolution Borkowski und Keyboarder Thomas Rumpelt, einen etwas biederen studentischen Eindruck. Elektro-Pop ist angesagt in der Garage. Wie schon vorher nebenan ist auch hier etwas weniger los zu der  frühen Zeit, aber Sänger JanRevolution legt los wie ein Wirbelwind. Der Sound hat leichte rockige Einschläge, die vom Sequenzer kommen und ist gefällig. Die beiden haben jedenfalls genug Potential, so dass man mit Sicherheit in Zukunft etwas mehr von ihnen hören wird.

Joy/Disaster sind mir gänzlich fremd. Im Vorfeld heißt es, sie klängen ein bisschen wie Joy Division (daher wohl der Name?). Die Halle ist überraschend leer und ich erwarte wirklich nicht viel. Allerdings habe ich die vier Franzosen damit unterschätzt. Als sie die Bühne betreten, verlieren sie keine Zeit mit einem „Hallo“, sondern greifen sofort nach den Instrumenten, um diese zu malträtieren – und das mit großem Erfolg. Brachial schmettert Nico seine Texte ins Mikro und schrammelt wild auf der Gitarre herum. Die Songs haben Power und nehmen das Publikum mit. Der erste Auftritt in Deutschland findet zwar vor leider wenig Zuschauern statt, aber alle, die da sind, sind begeistert und jubeln bereits nach dem ersten Song. Die ersten vier Lieder werden quasi durchgespielt. Es gibt keine kurzen Pausen, um mal Luft zu holen und Zeit für Applaus zu geben. Die Band spielt einfach durch und prescht von Stück zu Stück. Das Zuhören macht Spaß und mit ihrem Aggressive Dark Rock können Joy/Disaster absolut begeistern und überzeugen. Ein eindeutiges Highlight des Tages, wenn nicht gar einer meiner persönlichen Topacts des gesamten Festivals!

Ebenso vorher unbekannt waren mir auch die vier Franzosen von Joy/Disaster. Beim Testhören einiger Youtubevideos staunte ich dann schon etwas. Teilweise klangen die vier wie eine Reinkarnation von Joy Division … inklusive Ian Curtis. Das machte mich sehr gespannt auf den Auftritt heute. Vom Joy DivisionFlair war allerdings nur noch wenig übrig, als die Mannen um Sänger Nicolas Rohr loslegten wie die Feuerwehr. Postpunk meets Rotzrock war das Programm und das fetzte gewaltig. Drummer Nico legte mit Bassist Soupa einen soliden Rhythmusteppich hin, auf dem sich die beiden Gitarren von Nico Rohr und Simon massiv austoben konnten. Vocalist Nico stach mit seiner dominanten Präsenz regelrecht heraus. Das klang klasse und den Zuschauern gefiel es sehr. Durch den mehr als soliden Auftritt war das der Weckruf des dritten Tages. Die Burschen können was und waren einer der Highlights für mich auf dem DMF 2015. Joy/Disaster werden mit Sicherheit ihren Weg machen und sich in den Gehörgängen vieler Musikfans festsetzen.

Rroyce konnte man im Vorfeld bereits auf dem Gelände sehen und feststellen, dass sie mächtig Spaß vor ihrem Auftritt hatten. Ich spare mir allerdings den Weg in die Garage.

Mittlerweile war das Optimolgelände ganz gut gefüllt, so dass auch die Garage wieder wie meistens knackevoll war. Da Reptilien wechselwarm sind, und aufgrund des schönen Wetters Hunger bekamen, tauschten wir das Festivalgelände mit der Nachtkantine zur Futteraufnahme und verpassten dadurch den Auftritt von Rroyce.

Dafür war ich sehr gespannt auf Beauty of Gemina, über die und von denen ich schon einiges gehört hatte. Das kann ja eigentlich nur ein guter Act werden – oder? Die Theaterfabrik füllt sich langsam, es fällt aber auf, dass die Besucher nicht in Massen in die Halle strömen und diese eher leer bleibt über den Tag hinweg. Die Band selbst spricht mich gar nicht an und geht ziemlich spurlos an mir vorbei. Ich hatte mir ansprechendere Musik erhofft und es gibt auch Stücke, die erheblich besser sind als diejenigen, die ich auf dem DMF mitbekommen habe. Auch wenn sie mir nicht gefallen haben, hört man von vielen Seiten, dass er Auftritt gelungen war und gefallen hat. 

Die schweizer Formation The Beauty of Gemina waren das erste Mal auf dem DMF zu hören und ich freute mich schon drauf. Gegründet von Michael Sele, der mich schon zu Zeiten seiner alten Formation Nuuk begeistert hatte, spielen die Eidgenossen einen richtig typischen Gothic-Rock der alten Schule. „Dark Wave gepaart mit lebhaften Folk-Rhythmen. Die Grenzgängerei zwischen klagendem Schwermut und weisem Optimismus.“ heißt es auf ihrer Homepage und das stimmt so auch. Düster schwermütige Melodien, die auch einem Nick Cave bestens stehen würden, wurden durchbrochen von akustischen Folkklängen, die auch ein gewisser Herr Robert Smith geschrieben haben könnte. Aufgebaut auf einem Rhythmusgerüst von Drummer Mac Vinzens und Basser David Vetsch, konnte sich Sele im Wechsel mit Saitenschwinger Marco Gassner regelrecht austoben,ohne ins Hektische zu verfallen. Mir gefällt der Sound der Band ausgesprochen gut und die Präsenz von Michael Sele sticht wie eine Leuchtgestalt aus dem düsteren Alltag hervor. Band gut, Auftritt gut, alles gut.

Mit EBM geht es in der Garage weiter: AD:KeY spielen auf. Auf die hatte sich auch so mancher Besucher gefreut. Ich lasse diese Band ausfallen.

Die Garage war wieder mal voll, drum hab ich auch den Auftritt von AD: KeY verpasst. Das Gedrängel in dem kleinen Club ist zu oft ein Grund, um diesem fern zu bleiben.

Ebenfalls ohne mich gehen FGFC820 auf die Bühne. Die Theaterfabrik ist aber recht voll und die EBMler freuen sich auf den Auftritt der New Yorker. Zahlreiche T-Shirts mit dem Bandlogo hatte man im Vorfeld bereits sehen können.

An den Auftritt von FGFC820 auf dem DMF 2013 kann ich mich nicht mehr erinnern, weiß aber, dass das New Yorker Duo eines der gewaltigsten, brachialsten EBM Gewitter aus den Boxen loslassen wird. Das ist alte Schule Stampfmusik, die die Cybergothenfraktion im Hintergrund der Theaterfabrik wieder auf den Plan ruft. Leuchtstäbchenballett im Formationsflug ist wieder angesagt. EBM gepaart mit Aggrotech und Industrialeinschlägen ist da von DJ Rexx Arcana im unsichtbaren, nebligen Hintergrund zu hören, auf den Vorsänger Dräcos, in militärischer Kampfmontur gekleidet, seine Textzeile brüllt. Das ist Power pur und die Meute in der Halle tobt zu recht. Flankiert werden die beiden von der Industrial-Tanzmaus La Dy Flauschig samt Kompagnon, die schon auf dem DMF 2014 die Auftritte von C-Lekktor und Alien Vampires veredelt hatten.

Weiter geht es mit Freakangel, die in eine ähnliche Kerbe schlagen und damit das Motto des dritten Tages recht gut untermauern. Die Garage ist mal wieder etwas zu klein für alle Besucher und ihren Bewegungsdrang.

Zum Auftritt der Formation Freakangel hatte ich mich diesmal rechtzeitig eingefunden, um auch mal wieder einen Platz an der Bühne zu ergattern. Aus Estland, genauer gesagt aus Tallinn, reiste das Trio nach 2013 auch schon zum zweiten Mal an. Drummer Roman D. nahm hinter seinem Drumkit Platz, der dreadbelockte Art schnallte sich seine Gitarre um und als Sänger D. Darling die Bühne betrat, ging’s los. Electronic-Industrial-Rock nennt sich der Stil der drei, aber mich hat der Sound nicht ganz mitgerissen. Art ließ seine Dreadlocks fliegen, D.Darling machte Dampf, aber ich verzog mich nach ein paar Bildern wieder aus dem Gedränge der Garage mit dem üblichen Kampf ums Durchkommen nach hinten.

Glücklicherweise hat man Faderhead in die Theaterfabrik gelegt, denn es wird voll. Hamburger Aggrotech vom Feinsten wird geboten. Fans und Besucher jubeln gleichermaßen und stampfen ordentlich zu den schnellen Rhythmen. Für meinen Geschmack ist es ein bisschen zu laut und Faderhead macht der Bezeichnung „Aggrotech“ alle Ehre. 

Sami Mark Yahya alias Faderhead aus Hamburg gibt sich jetzt in der Theaterfabrik die Ehre. Flankiert wird der werte Herr Faderhead von zwei Mitstreitern, die er sich normalerweise von den Formationen XP8 und Project SAM holt. Die drei da oben haben sichlich Spaß zusammen und das überträgt sich auch sofort aufs Publikum. Stilistisch ist Faderhead zwischen House und Electropop einzuordnen, auf die er seine Lyrics auch schon mal im Aggrotechgewand drauf schreit. Faderhead haben die Halle voll im Griff und machen Spaß. Das passt perfekt und ist gut.

Zum Abschluss in der Garage spielen Winterkälte. Beim Soundcheck kann man schon einen guten Eindruck dessen bekommen, was man bald auf die Ohren kriegen wird. Es scheint ein richtiges Brett zu werden und bereits bei der ersten Nummer ist klar: Der Sound haut voll rein. Viele hatten sich auf das Duo gefreut und nicht umsonst war die Garage schon lange vor dem offiziellen Start des Auftritts bis auf den letzten Platz besetzt. Die Begründer der Drum’n’Noise-Bewegung zeigen sich hocherfreut über das positive Feedback aus dem Publikum und ballern richtig rein. Wenn es nicht so eng und stickig wäre, könnte man sich das ganze Konzert ansehen, aber das ist mir zu viel.

Noise-Sound ist ja etwas, das man eher weniger in den einschlägigen Clubs hört. Zu sehr Randgebiet ist dieser Sound. Winterkälte sind die Speerspitze und Begründer der Drum’n’Noise Bewegung und sollen als Headliner der Garage an diesem Abend dienen. Sehr viele Besucher freuten sich schon im Vorfeld auf das Duo und ich wusste angesichts dessen, dass ich sehr früh in der Garage sein musste, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen. Das hat geklappt und als Drummer Eric De Vries hinter seinem E-Drumkit Platz nahm, ging’s auch schon los. Stakkatorhythmen aus den Keys von Udo Wiessmann wurden drummäßig unterstützt und brachten die knapp gepackten Zuhörer in Bewegung … sofern dazu überhaupt noch Platz war. Leider waren mir persönlich das Ganze etwas zu wenig Noise-artig und zu viele Beats, was aber nicht bedeuten soll, dass es mir nicht gefallen hat. Mitnichten – das Duo Winterkälte ist gut und zeigt es auch. Allen hat’s gefallen, trotz der Enge.

Der Headliner des Abends sind Kirlian Camera. Die Theaterfabrik ist brechend voll und alle hängen an den Lippen von Sängerin Elena Alice Fossi, die mit ihrer Stimme und einer Traumfigur begeistert. Nebenbei laufen auf zwei Leinwänden Videos der Formation, die manchmal vom Bühnengeschehen ablenken, aber nicht von der Musik. Die Sängerin geht richtig mit der Musik und den Texten mit, leidet, wütet und fühlt das, was sie singt. Die Darbietung erhält dadurch sehr viel Leben und unterstreicht die kraftvollen Melodien, zu denen die Besucher tanzen. Obwohl Kirlian Camera nicht so recht zum EBM-lastigen Tag passen, sind sie doch der perfekte Abschluss und bringen die Theaterfabrik noch einmal zum Kochen. Das Publikum möchte die Formation gar nicht mehr weglassen und gibt sich mit einer einzigen Zugabe nicht zufrieden.

Kirlian Camera aus Italien, oder männertechnisch betrachtet Elena Alice Fossi mit Band. Bereits zum dritten Mal stand Elena auf den Brettern des DMF. Schon beim ersten Festival 2012 waren KC dabei und ein Jahr drauf stellte sie mit ihrer Formation Spectra Paris den Garagen-Headliner. Dieses Jahr war wieder die komplette Formation um Angelo Bergamini anwesend. Wie immer beginnt ein Kirlian Camera Konzert mit dem Deutschen Requiem, zu dem die vier strumbehaubt mit Tschanlampen vorne am Bühnenrand stehen. In der bereits 35-jährigen Bandgeschichte um KC sind natürlich viele bekannte Hits aus der Feder von Bergamini zu verzeichnen und ein guter Teil davon ist heute auch zu hören. Ich habe Kirlian Camera bereits mehrere Male live gesehen, aber was KC an diesem Tag abgeliefert haben, gehört mit zum Besten bisher. Der Sound war perfekt abgemischt und die Band war auf den Punkt genau megagut drauf. Allen voran der Traum aller schlaflosen Männernächte, Elena Alice Fossi, die eine Ausstrahlung rüberbrachte, dass vielen Mannsbildern der Hals trocken wurde. Sie kokettierte mit allen Gästen und man merkte ihr sichtlich an, wieviel Spaß ihr und dem Rest der Band der Auftritt machte. Angelo hielt sich die ganze Zeit maskiert an den Keyboards im Hintergrund. Elena war an diesem Tag wieder einmal bestens bei Stimme, räkelte sich beizeiten am Bühnenboden zeigte sich von ihrer besten Seite. Zeittechnisch war die Auftrittszeit von 70 Minuten bereits rum, als sich die Band verabschieden wollte. Ein glücklich lachender Angelo Bergamini war sich nicht sicher, ob das angesichts der tobenden Zuschauermenge schon alles gewesen sein sollte. Die Hallenbeschallung der Aftershow-Party war bereits zu hören, das Saallicht bereits hell, als alles noch einmal abgewügt wurde und KC doch nochmal für eine kurze Zugabe auf die Bühne zurückkamen. Sichtlich gerührt wurde die Band um Fossi und Bergamini abgefeiert und hinterließen wieder einmal einen bleibenden sensationellen Eindruck. Ein mehr als würdiger Headliner für den Samstag.
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