Buch: Edward Lee, Elizabeth Steffen – Dahmer ist nicht tot


Jeffrey Dahmer, Serienmörder mit kannibalistischen Zügen, sitzt im Gefängnis und weiß, dass er dort keine Freunde hat. Er rechnet mit seinem Tod und wird schließlich auch brutal erschlagen. Die Ermittler atmen auf, Dahmer ist tot und die Presse wird sich schnell anderen Themen zuwenden. Doch dann geschieht wieder ein Mord und man findet Dahmers DNA, seine Fingerabdrücke und einen Brief…

Edward Lee ist eher bekannt als Autor der härteren Lesart. Mit Bighead hat er das verstörendste Buch überhaupt geschrieben, mit Header einen abartigen Ekelroman. Seine Romane Der Höllenbote oder Golem überzeugen durch eingehende Recherchen und Spannung. Mit Dahmer ist nicht tot hat er sich in meinen Augen ein bisschen von dem weggewagt, was man normalerweise von ihm kennt. Das mag nicht zuletzt an der Coautorin Elizabeth Steffen liegen, die auf dem Backcover mit „Serienkillerexpertin“ angegeben ist. Damit ist auch klar, dass diese Geschichte an Porträt der Psychopathin als junge Frau anschließt und hier ein neuer schriftstellerischer Weg beschritten wurde. Ob einem dieser Wandel nun gefällt, ist schwer zu sagen. Man vermisst den alten Lee, den man so kannte, die Hardcoreschiene, die abschreckend und eklig war und einen gleichzeitig fasziniert hat. Aber Lee hat schon immer auch intelligent geschrieben und kann diese Art Thriller ebenfalls ganz gut vermarkten.

Trotz allem stört die Protagonistin gewaltig. Die Ermittlerin, die natürlich der beste Cop der ganzen Welt ist, geht einem so dermaßen auf die Nerven mit ihrem kindischen, nicht nachvollziehbaren und zickigem Verhalten, dass man mehrfach das Buch weglegen möchte. Das überträgt sich teilweise auch auf die anderen Akteure. Plötzlich ist Ermittlerin Helen Closs der Buhmann, weil sie nicht daran glaubt, dass Dahmer wirklich noch lebt, und alle wenden sich von ihr ab. Sie habe den Fall an die Wand gefahren, sie habe ihre Karriere zerstört und weitere Vorwürfe. Man kann aber nicht verstehen, warum ihr dies vorgeworfen wird, es gibt nicht mal eingehende Ermittlungen, keine logischen Vorgehensweisen, die man vor dieser Verurteilung anstellen würde. Leider bleibt dadurch die Spannung auf der Strecke und man muss etwas Durchhaltevermögen beweisen, um sich bis an das Ende des Buches durchzukämpfen. Zurück bleiben Fragen, warum Closs wegen der Exhumierung, die gar nicht komplett durchgeführt wurde und die einen großen Fortschritt in den Ermittlungen bringen könnte, würde man danach richtig ermitteln oder hätte man das zuvor bereits getan, warum Closs deshalb komplett bei allen unten durch ist.

Für richtige Thrillerfans ist das Buch nicht so prickelnd, weil es unlogisch ist und zu viele Fehler hat. Man möchte zwar schon wissen, wie nun die Auflösung ist, das ist ein kleiner Pluspunkt, aber der tröstet auch nicht über die sonst eher mangelhafte Ausarbeitung und Darstellung hinweg.

2/5

Edward Lee & Elizabeth Steffen – Dahmer ist nicht tot
Festa Verlag, 2017
402 Seiten
Taschenbuch: 13,99 €
Amazon

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