Festa: Horror und Thriller


Horrorbücher und Thriller unterscheiden sich meist in recht wenigen Punkten. Gruselig sind beide und Spannung findet man auch zur Genüge. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Festa Verlag eine Kategorie für beides zusammen hat. Erklärend fügt der Verlag hinzu, dass „die besten Werke der modernen Meister des Terrors“ präsentiert werden. Und sie haben recht. In der Reihe erscheint etwa monatlich ein neues Werk von englischsprachigen Autoren wie Laymon, Lee oder McBean, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Mit dem praktischen Abonnement verpasst man keine der neuen Ausgaben. Die Liste der Autoren ist lang und da sind echte Schmankerl dabei, hauptsächlich Männer, denn es finden sich nur wenige Frauen, die sich in diesem Genre wohlfühlen. Doch es ist eine bunte Mischung geworden, die präsentiert wird und schon längst sind einige Werke vergriffen (man kann sie aber als Ebook erwerben und trotzdem lesen!). Man findet vom spannenden und blutigen Thriller aus der Feder eines Wrath James White, über die alptraumfördernden Romane eines Bryan Smith bis hin zu den Gänsehautgeschichten von Graham Masterton alles, was das Herz begehrt. Die Auswahl ist sorgsam, aber so abwechslungsreich, dass man seine Favoriten auf jeden Fall findet. Wie anspruchsvoll, obszön oder grausam ein Buch ist, kann man sehr gut an der Skala feststellen, die Festa zur Verfügung stellt. Fünf Totenköpfe zeigen für jedes Werk an, was auf einen zukommt. Ein kleiner Ausblick: Im Februar 2018 ist der Meister des Horrors, Edward Lee, wieder dran mit Totenlust. Einen Monat später folgt der bereits vierte Band der The Extinction Circle Reihe von Nicholas Sansbury Smith und im April gibt es Neues von John Ringo mit An den Ufern der Verzweiflung.


Buch: Greg F. Gifune – Sag Onkel

Onkel wird von Andy und Angela vergöttert. Er nimmt sich viel Zeit für die beiden, lehrt sie viel und ist immer da, ein Vaterersatz. Doch ein Tag im Sommer verändert alles und hinterlässt Spuren bei der Familie, die nie verblassen …

Sag Onkel ist eines dieser Bücher, die vergriffen sind und um die sich jeder reißt, auch wenn man gar nicht weiß, warum. Der Erzählstil ist mal wieder etwas, das man verkraften muss. Zwischen der Jetztzeit und der Vergangenheit wird ständig hin- und hergewechselt, dazwischen kommen Gedanken und Träume, die man irgendwo einordnen muss und manchmal doch Fragezeichen aufkommen lassen. Während der Lektüre wartet man immer auf diese eine, alles umwerfende Wendung, aber die kommt gar nicht. Man weiß im Grunde von der ersten Seite ab, was passieren wird. Aber es geht auch gar nicht darum, einen möglichst spannenden, grausamen Thriller zu präsentieren, sondern um das, was dahintersteht. Onkel ist tot und nun muss Andy zurückkehren in seine Heimat, der er physisch den Rücken gekehrt hat, von der er psychisch aber nie losgekommen ist. Mittlerweile erwachsen muss sich Andy endlich mit dem auseinandersetzen, was geschehen ist und verarbeiten, was die Familie damals zerrissen hat. Es geht dabei nicht nur um die Vergangenheitsbewältigung, sondern um eine ganz zentrale Frage: Wie weit würde man in bestimmten Situationen gehen? Sag Onkel fragt nach der Moral, nach Grenzen und Überschreitungen, nach Gut und Böse, ohne diese Frage zu beantworten und festzulegen, was das Gute und was das Böse ist. Klar wird aber, dass diese Unterscheidung gar nicht so einfach ist. Der Leser kann sich selbst hinterfragen und seine eigene Entscheidung treffen.

Sag Onkel ist kein typischer Psychothriller, sondern beschreibt eher den Umgang mit Untaten und beschäftigt sich viel mit der Moral. Ein lesenswertes Stück Literatur.

5/5

Greg F. Gifune – Sag Onkel
Festa Verlag, 2011
196 Seiten
eBook: 4,99 €

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