Buch: Ferdinand von Schirach – Strafe


„Es gibt kein Verbrechen und keinen Schuldigen […], aber es gibt Strafe“. Dieses Zitat stammt zwar vom Ende des Buches, beschreibt den Inhalt und die Intention aber sehr gut. Ferdinand von Schirach beschreibt Fälle, die allesamt wahr und genau so passiert sind. Dabei schildert er neutral die Geschehnisse, das Vorleben, die Verhandlung, das, was danach kam. Ein Verbrechen hat viele Aspekte und hinter jeder Tat steht ein Mensch und meistens auch ein Auslöser. Für manche Taten bekommt man Verständnis, manches erscheint die logische Konsequenz zu sein, aber man heißt keine der Taten deshalb gut. Wer Strafe liest, bekommt einen Einblick in die Gedankenwelt und das Seelenleben von Tätern, von Anwälten, von Opfern. Es werden dabei Menschen beleuchtet, die irgendwo in ihrem Leben einen Auslöser hatten, der die Strafe bedingt – für die Protagonisten entweder aktiv oder passiv. Manche erdulden viel, bis sie sich wehren. Vor Gericht wird die Schuld erkannt, vielleicht sogar auch der Auslöser, aber das Gesetz sorgt dafür, dass Recht gesprochen wird, ohne Ansehen der Person. Und das, was man Ende in der Zeitung liest, ist die eine Sache, die eine Wahrheit, die für den Leser meinungsbildend ist. Doch das, was hinter den Kulissen als Vorgeschichte passiert ist oder sich als Nachsatz abspielt, das bleibt meist verborgen. Von Schirach beleuchtet genau diese Geschichten und macht aus Monstern Menschen, aus Versagern Helden und aus Schuldigen Verzweifelte. Dabei handelt es sich nicht um Fiktion, wie man denken möchte, es sind eben wahre Geschichten, wahre Leben, die hier geschildert werden.

Das Buch lässt seine Leser nachdenklich zurück und regt dazu an, hinter die Kulissen zu schauen, alles zu hinterfragen und beide Seiten anzusehen, bevor man sich eine Meinung bildet oder blind richtet. Zudem wird auch aufgezeigt, dass Taten auch mit viel Erstaunen, Entsetzen und mit Befremden Hand in Hand gehen, das die Täter über sich selbst empfinde. Es ist wohl vermessen zu hoffen, dass es ein Umdenken herbeiführen könnte, aber immerhin für die Dauer der Lektüre wacht der Leser aus auf seinen Vorurteilen.

5/5

Ferdinand von Schirach – Strafe
Luchterhand Literaturverlag, 2018
192 Seiten
Hardcover: 18,00 €
eBook: 14,99 €
Hörbuch: ab 12,06 €

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s