Buch: Brian Keene – Leichenfresser


Etwas ist auf dem Friedhof erwacht und nährt sich an den Leichen. Zunächst bemerkt niemand etwas, nur den drei Freunden Timmy, Barry und Doug fällt auf, dass sich Teile des Friedhofs immer weiter absenken. Aber niemand will ihnen Glauben schenken und dann verschwinden Menschen …

Timmy Graco ist der Erzähler dieser Horrorgeschichte. Im Vergleich zu seinen Freunden lebt er in einer weitgehend intakten Familie und muss sich mit dem plötzlichen Tod seines geliebten Großvaters auseinandersetzen. Dieser hatte Timmy immer ein wenig in Schutz genommen und vor allem seine Leidenschaft für Comichefte nachvollziehen können. Nun ist er tot und das bedeutet das Ende der unbeschwerten Sommerferien, in denen der Junge gemeinsam mit seinen Freunden so viele Abenteuer erleben wollte.

Spannend werden die Ferien trotzdem, denn auch an dem Trio geht nicht spurlos vorbei, dass Menschen verschwinden und sich Barrys Vater, der Friedhofsgärtner, immer seltsamer benimmt. Dieser trinkt noch mehr als sonst, kommt nachts gar nicht mehr nach Hause und scheint eine geheime Geldquelle aufgetrieben zu haben, denn seine geschlagene Frau trägt neuen Schmuck. Wie sehr Barry unter seinem Vater leidet und eine zerstörte Kinderseele am Ende das weitergibt, was sie empfangen hat, wird dramatisch in einer Szene geschildert. Dem Nachbarshund eine Lektion erteilend, verliert Barry plötzlich die Kontrolle und hat zum ersten Mal im Leben auch Macht über andere. Wenig später zeigt er sich von sich selbst entsetzt, denn wie sein Vater möchte er niemals werden.

Auch Doug trägt ein dunkles Geheimnis mit sich, das schließlich eines Nachts Timmy anvertraut wird, der sich betäubt und ohnmächtig fühlt, kann er doch nichts unternehmen, um seinen Freund aus dessen eigener Hölle zu retten. Als alles eskaliert, erlebt Timmy zum ersten Mal die volle ungerechte Härte der Erwachsenen, indem sein Vater seinen wertvollsten Besitz zerstört.

Keene beschreibt das Grauen auf dem Friedhof nur am Rande. Obwohl es eigentlich Mittelpunkt der Story sein sollte, dreht sich diese um die drei Freunde und deren zerrüttete Familiengeschichten. Freundschaft, die über vieles hinweg sieht und selbst plötzlich machtlos ist gegenüber den Erwachsenen, könnte besser nicht beschrieben werden. Der Ghoul ist nur ein Mittel zum Zweck, eine dunkle Gestalt, die greifbar macht, was unbegreiflich erscheint, denn es geht hier nicht um den übernatürlichen Horror aus vergangenen Zeiten, sondern um die realen Gefahren, Ängste und die blinde Zerstörungswut der Erwachsenen gegenüber Kindern, die am Ende das werden, was sie nie sein wollten: Die Monster unter den Betten ihrer eigenen Nachkommen.

Ein gelungenes Buch, das viel Schrecken mit sich bringt und Ohnmacht greifbar macht. Horror gibt es auf viele Arten, Keene beschreibt die schlimmste davon.

5/5

Brian Keene – Leichenfresser
Festa Verlag, 2013
400 Seiten
Taschenbuch: 13,95 €

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