„Wenn ein kleiner Gefallen der Beginn einer tödlichen Abwärtsspirale ist… Marcus‘ glamouröse Tage als gefeierter Starautor gehören der Vergangenheit an – ihm will einfach kein neuer Bestseller gelingen. Da wird er von Ernst, einem alten Bekannten aus der Autorenschule, kontaktiert, der unter Pseudonym einen Kriminalroman veröffentlichen möchte. Könnte Marcus das Manuskript an seine Agentin weitergeben und sicherstellen, dass Ernsts Identität geheim bleibt? Ein kleiner Gefallen, keine große Sache, denkt Marcus. Doch durch ein Missverständnis geht die literarische Welt bald davon aus, dass Marcus seine Schreibkrise überwunden und einen neuen Bestseller geschrieben hat. Alles könnte gut sein. Doch Ernst stellt plötzlich Forderungen, und Marcus verstrickt sich immer mehr in ein Labyrinth aus Lügen. Bald geht es nicht mehr um Ruhm und Eitelkeiten. Sondern darum, wer in diesem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel gewinnt.“ (Quelle: Klappentext)
Der dritte Thriller von Kvensler hat es in sich. Wer bereits Der Ausflug und Die Insel kennt, war vorbereitet auf ein verwobenes Stück Spannung. Mit überraschendem Ende. Und was macht Kvensler nun bei Die Klippe? Er erzählt. Eine Geschichte, die möglichst ruhig und trivial beginnt, ein Freundschaftsdienst, Geld, Liebe, Unsicherheit. Wir haben eigentlich alles zusammen, was wir für ein Stückchen Roman brauchen. Aber unterschwellig ist da etwas, das der Leser kaum greifen kann. Eine dunkle Bedrohung, eine subtile Gefahr. Geht sie von Ernst aus, der den Bestseller nicht unter seinem Namen veröffentlichen wollte? Oder von Marcus, der sich nicht durchgesetzt hat und nun als Autor des Meisterwerks gilt? Ist da jemand ganz anderes, der die Fäden zieht? Kvensler füttert den Leser zwar mit Hinweisen, aber man kann damit nicht viel anfangen. So rätselt man, ob Ernst Rache für vergangene Ungerechtigkeiten an Marcus üben und ihn ruinieren will. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt, weil Marcus die schlechten Kritiken über sein letztes Buch nicht verkraftet hat. Oder seine Agentin tut nur nett und hat in Wirklichkeit ganz andere Pläne. Man weiß es nicht.
Die Spannung steigt und mit den fein gezeichneten Charakteren schafft es Kvensler auch, dass man sich gut im Buch zurechtfinden und in die Story hineindenken und einfühlen kann. Auch als Leser bekommt man diese dumpfe Angst, weil man immer mehr mit Marcus‘ Gefühlswelt konfrontiert wird. Da man genauso ahnungslos ist, wie der Protagonist, verdächtigt man Ernst immer mehr, dass er ein unsauberes Spiel spielt. Eigentlich sind diese beiden auch die Hauptfiguren, aber da gibt es eben noch mehr – und sowohl Ehefrau, Nachbarn als auch Agentin lassen bald vermuten, dass sich alle gegen Marcus verschworen haben – aber warum?
Die Spannungsbombe platzt zum Schluss, wie das auch bei den beiden vorangehenden Werken von Kvensler der Fall gewesen ist. Man denkt nicht mehr dran, hat eigentlich den Eindruck, alles hat sich in Wohlgefallen aufgelöst, doch dann … aber das muss man schon selbst lesen. Am besten sucht man sich ein ruhiges, schattiges Plätzchen, denn diesen Pageturner mag man nicht zur Seite legen und unterbrechen müssen. Ein absolutes Muss für den Sommer und Freunde der subtilen Spannung.
5/5
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Ulf Kvensler – Die Klippe. Jede Lüge könnte deine letzte sein
Penguin, 2026
384 Seiten
